Ressourcenorientierter Umgang bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt

Fachkräfte stärken, Kinder und Jugendliche schützen

Wie können Fachkräfte mögliche Anzeichen sexualisierter Gewalt wahrnehmen? Wie lässt sich ein Gespräch mit einem Kind oder Jugendlichen führen, ohne zu drängen oder zu überfordern? Und was ist zu tun, wenn ein Verdacht entsteht?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer zweitägigen Schulung am 20. und 21. August mit einem Team des CJD Neustadt an der Weinstraße. Rund zwölf Mitarbeitende aus der stationären Kinder- und Jugendhilfe und der Schulsozialarbeit setzten sich mit einem ressourcenorientierten Umgang bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt auseinander.

Ziel der Fortbildung war es, Handlungssicherheit zu fördern, die eigene professionelle Rolle zu klären und Fachkräfte für eine zugewandte, kinderschützende Kommunikation zu sensibilisieren.

Schutz beginnt mit einer verlässlichen Beziehung

Wenn Kinder oder Jugendliche Andeutungen machen oder sich anvertrauen, ist eine ruhige und zugewandte Reaktion entscheidend. Betroffene benötigen Erwachsene, die zuhören, ihre Aussagen ernst nehmen und ihnen vermitteln, dass sie nicht allein sind.

Eine tragfähige Vertrauensbeziehung ist dabei ein wesentlicher Schutzfaktor. Sie ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, sich mitzuteilen, ohne unter Druck zu geraten. Fachkräfte müssen nicht sofort alle Antworten haben. Wichtig ist, im Kontakt zu bleiben, Orientierung zu geben und die nächsten Schritte verantwortungsvoll einzuleiten.

Hilfreiche Grundhaltungen im Gespräch sind:

  • aufmerksam zuhören und Ruhe ausstrahlen,
  • kindgerechte, offene Fragen stellen,
  • keine Details einfordern,
  • keine vorschnellen Bewertungen oder Schuldzuweisungen äußern,
  • keine Versprechen geben, die nicht eingehalten werden können,
  • und dem Kind oder Jugendlichen deutlich signalisieren: „Ich nehme dich ernst.“

Fachkräfte ermitteln nicht – sie übernehmen Verantwortung

Eine zentrale Erkenntnis der Schulung lautet: Pädagogische und sozialarbeiterische Fachkräfte sind nicht dafür zuständig, Sachverhalte strafrechtlich aufzuklären. Sie sind nicht der verlängerte Arm der Justiz.

Ihre professionelle Aufgabe besteht darin,

  • Beobachtungen und gewichtige Anhaltspunkte wahrzunehmen,
  • diese nachvollziehbar zu dokumentieren,
  • interne Schutz- und Meldewege zu beachten,
  • fachliche Beratung und Unterstützung hinzuzuziehen,
  • und im Kontakt mit den betroffenen Kindern oder Jugendlichen zu bleiben.

Diese klare Rollenabgrenzung entlastet. Sie hilft Fachkräften, auch in emotional belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben und den Schutz junger Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Das Bauchgefühl als professionellen Hinweis ernst nehmen

Viele Fachkräfte kennen Situationen, in denen sie zunächst kein eindeutiges Bild haben, aber dennoch ein ungutes Gefühl wahrnehmen. Dieses Bauchgefühl ist kein Ersatz für eine fachliche Einschätzung oder eine sorgfältige Dokumentation. Es kann jedoch ein wichtiger Hinweis sein, genauer hinzusehen und sich Unterstützung zu holen.

In der Fortbildung wurde deshalb deutlich: Die eigene Wahrnehmung darf ernst genommen werden. Sie kann der erste Schritt sein, Beobachtungen zu reflektieren, kollegiale Beratung einzubeziehen und notwendige Schutzprozesse anzustoßen.

Handlungssicherheit bedeutet nicht, jede Situation sofort eindeutig beurteilen zu können. Sie bedeutet, Unsicherheiten professionell zu begegnen, Verantwortung zu teilen und angemessen zu handeln.

Ressourcenorientierung schafft Sicherheit

Ein ressourcenorientierter Ansatz richtet den Blick nicht ausschließlich auf mögliche Gefährdungen. Er fragt zugleich: Was braucht das Kind oder der Jugendliche jetzt? Welche Beziehungen geben Sicherheit? Welche Unterstützungssysteme sind vorhanden und wie können sie aktiviert werden?

InTPG vermittelt in seinen Schulungen eine Haltung, die Fachlichkeit, Sensibilität und praktische Handlungsorientierung verbindet. Teilnehmende werden darin gestärkt,

  • mögliche Hinweise auf sexualisierte Gewalt sensibel wahrzunehmen,
  • Gespräche mit Kindern und Jugendlichen sicher zu gestalten,
  • die eigene Rolle klar einzuordnen,
  • fachlich nachvollziehbar zu dokumentieren,
  • und Schutz durch verlässliche Beziehungen und gute Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Wir danken dem Team des CJD Neustadt für die engagierte Mitarbeit, die Offenheit und die intensive gemeinsame Reflexion.

Fortbildungen für Ihre Einrichtung

Sie möchten Ihr Team im Umgang mit Verdacht auf sexualisierte Gewalt stärken? InTPG bietet praxisnahe Schulungen für Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Schulsozialarbeit sowie weiteren pädagogischen Arbeitsfeldern.

Die Fortbildungen können auf die Anforderungen und Schutzkonzepte Ihrer Einrichtung zugeschnitten werden. Kontaktieren Sie uns gern für ein individuelles Angebot oder einen Buchungstermin.

Mehr davon gibt es unter: Angebote | InTPG